Page 29 - Schönberg im Winter 2021
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war meistens nicht besonders lang.“ Dann dürfen die Expona-
te bestaunt werden. Die Ausstellungsstücke erzählen von Geburt
und Taufe, über die Schule, bis hin zur Freizeit. Wobei letztere das
Kind „je nach Zeitgeist auf das Erwachsensein vorbereiten sollte“,
sagt Rönnau. So gibt es zum Beispiel handgroße, funktionierende
Haushaltsgeräte aus den 50er Jahren zu sehen, mit denen wirk-
lich gewaschen oder gekocht werden konnte. „Zu Beginn des 20.
Jahrhundert spielten die Jungs nun mal Krieg und wurden aufs
Soldatensein vorbereitet. Die Mädchen mit ihren Puppen in die
Mutterrolle gesteckt“, so Rönnau.
In der Ausstellung treffen wir auf Petra Stänzel-Fauteck, eine ge-
schichtsbegeisterte Urlauberin, die das Museum besucht. Sie zeigt
auf den Kriegsteil der Ausstellung. „Das hier macht natürlich Gänse-
haut – aber alles ist mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt“
Manchmal sehe sie Dinge, die Erinnerungen wecken und „manch-
mal sehe ich dann auch, was ich früher nie bekommen habe“, sagt
Stänzel-Fauteck und lacht.
Neben der Dauerausstellung laufen im Museum zwei Sonderaus-
stellungen. Die erste, eine Karussellausstellung, war bereits 2020 im
Kindheitsmuseum zu sehen. Doch aufgrund der Corona-Pandemie
wurde beschlossen, die Ausstellungsdauer auf dieses Jahr zu verlän-
gern. Fast alle Karussells sind handgefertigte Unikate und häufig von
Großvätern, Vätern oder Kindern gebaut. Dabei drehen sich einige
sogar automatisch, sind mit Lichtern ausgestattet oder können kom-
plett zusammengebaut und in kleinen dazu passenden Zirkuswa-
gen verstaut werden.
Die zweite Sonderausstellung befindet sich in einem von der
Gemeinde gestifteten Anbau. Sie zeigt handgroße, funktionierende
Küchengeräte und die verschiedensten Puppenhäuser. Schwedische Petra Stänzel-Fauteck und Jörg Fauteck vor einem Puppenhaus aus
den 60er Jahren. Das Haus wurde von 1960-67 für ein 13-jähriges
Massenware ebenso wie von mehreren Generationen geprägte und Mädchen gebaut.
erweiterte Häuser. „An den Häusern ist der Stil der jeweiligen Zeit
zu erkennen.“, erklärt Rönnau. „Sie zeigen wie das Leben sich ver-
ändert hat und „einfacher“ wurde. In einem Puppenhaus von 1940
wurde beispielsweise Elektronik eingebaut.“ Die Puppenhäuser
stellen getreue Nachbauten der Wohnungen ihrer jeweiligen Zeit
dar. „Das älteste Ausstellungsstück ist hier von 1910 und zeigt eine
„gute Stube“, die weniger zum Spielen gedacht war, als um Gästen
zu präsentieren, was besessen wurde“, so Rönnau.
Anlässlich des Schönberger Weihnachtsmarkts am ersten Wo-
chenende im Dezember unterbricht das Museum seine Saisonpau-
se. Dann sind auch die Sonderausstellungen ein letztes Mal zu be-
staunen. Danach geht es erst im Mai wieder los – und dann, so hofft
der Verein, auch wieder mit vollem Programm:
In den Ferien gibt es dann sonntagnachmittags Aktionen für Die Caroline ist eine benutzbare Waschmaschine im Puppenformat.
Kinder, bei denen unter anderem alte Kinderspiele getestet oder
Lesezeichen gestickt werden. Eine weitere Besonderheit bilden die
Führungen durch das Museum für Menschen, die an Demenz er- Mai 2022: Sonntag von 14 bis 17 Uhr
krankt sind. Regelmäßig meldeten sich kleinere Gruppen von fünf bis Juni bis Okt. 2022: Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr;
sieben Personen dafür an. „Davon kamen schon unheimlich schöne Donnerstag zusätzlich von 10 bis 12 Uhr
Rückmeldungen“, erinnert sich Birgit Rönnau. „Uns wurde erzählt,
dass noch den ganzen Tag davon gesprochen wurde, wie es früher Erwachsene: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro
so war. Dass Erinnerungen wiederaufkamen und die Freude darüber Kinder: 1,50 Euro, ermäßigt: 1 Euro
sehr groß war.“ Text/Fotos Rebekka Krüger Führungen können über das ganze Jahr gebucht werden.
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