Page 22 - Schönberg im Winter 2020
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Weihnachten in
Schönberg 2020
Vor einigen Tagen las ich in den Printmedien eine
Überschrift: „Weihnachten 2020 wird diesmal ein trau-
riges Fest“. Ich habe den Artikel nicht ganz zu Ende
gelesen, doch ich bemerkte, dass im Kontext von
Covid-19 viele Menschen in unserem Lande in gro-
ßer Sorge sind, ob sie überhaupt das Fest-aller-Feste
so feiern können wie bisher: Kaufhausbummel –
Konsum – Kommerz – Kirchenbesuch – Krippenspiel
scheint sich ein krasser Umbruch anzubahnen: Weihnachtsmärkte Damals wie heute wärmt
– Kerzenbaum oder Kreuzfahrturlaub. Tatsächlich
werden abgesagt. Beherbergungsverbote ausgesprochen. Pompö- das Licht von Bethlehem
se Firmen-Weihnachtsfeiern in Restaurants, Treffen in Großfamilien
und die beliebten Gottesdienste in den Kirchen am 24. und 25.12.
werden womöglich massiv eingeschränkt. Wie soll auch „Stim- Am Ende eines durch die Corona-Pandemie geprägten Jahres
mung“ aufkommen, wenn große Abstände eingehalten werden feiern wir das Weihnachtsfest. Es wird ganz anders sein, als wir es
müssen und nicht mehr „Oh du fröhliche…“ gesungen werden darf? bisher kannten – seiner Form nach. Doch seinem Sinn nach ist
Außerdem wird momentan vielen Mitbürgern gesundheitlich Weihnachten nicht anders! Jesus Christus ist geboren als das Licht
und existenzmäßig der Boden unter den Füßen weggezogen. Angst der Welt. Das ist die eigentliche Weihnachtsbotschaft. Es waren
macht sich breit. Bei einem Terroranschlag werden wir aufgefordert, harte Zeiten und bescheidene Umstände damals bei seiner Ge-
zusammenzurücken und uns nicht entzweien zu lassen. Doch jetzt burt. Dennoch erfuhren Menschen, dass der Mensch gewordene
ist alles anders: Infizierte gehen in Quarantäne und werden isoliert. Gott Licht ins Dunkel der Welt bringt. Damals wie heute leuchtet
Atemschutz wird verlangt, Umarmungen sind unerwünscht, Aus- und wärmt das Licht von Bethlehem.
gang in etlichen Gebieten untersagt. Unser Land ist still geworden:
Massenweise werden Veranstaltungen abgesagt, die Fußballstadien Das „Friedenslicht aus Bethlehem“ wird Jahr für Jahr in der
sind leer und Besuche in Kliniken und Seniorenheimen sind schwie- Geburtsgrotte bei Bethlehem von einem Kind entzündet. Dann
rig geworden. wird es von Pfadfindern auf zum Teil abenteuerlichen Wegen in
Und trotz all dieser Not lohnt es sich, in der kommenden Ad- die Städte der ganzen Welt gebracht. Bis es bei uns im Norden
vents- und Weihnachtszeit über ein einmaliges Ereignis nachzuden- ankommt, hat es schon große Strecken zurückgelegt und viele
ken: Gott, der die Welt geschaffen hat, macht vor 2.000 Jahren einen Grenzen überwunden. Dabei ging es von Hand zu Hand. Es ist
gewaltigen Schritt auf uns Menschen zu und schaltet sich ein. Er, klein und unscheinbar. Doch es trägt die Botschaft, dass mit der
der aus Liebe die Welt gemacht und den Menschen anvertraut hat, Geburt Jesu Licht ins Dunkel der Welt kommt.
schenkt sich selbst und ermöglicht damit einen Neuanfang. Mit der
Geburt Christi in Bethlehem beginnt die Geschichte, die an einem Von diesem Licht wollen wir uns wärmen und erleuchten
Kreuz am Karfreitag und zu Ostern in einem Friedhofsgarten zu lassen. Lassen Sie uns aber auch selber Lichter entzünden – im
ihrem Höhepunkt kommen wird. Gott gibt sich in Jesus Christus Wortsinn, wenn wir zusammenkommen, zuhause, aber auch im
zu erkennen. Er zeigt damit, wie sehr ihm die Menschen am Her- übertragenen Sinn, so dass wir durch unser Denken, Reden und
zen liegen. Johannes D. Falk fasst die Bedeutung der Inkarnation in Tun füreinander zu Hoffnungs-, Friedens-, Mut- und Freudenlich-
zwei kurzen Versen zusammen: „Welt ging verloren, Christ ist geboren tern werden.
/ freue, freue dich, o Christenheit!“ Es ist faszinierend, wie Gott seinen
Eintritt inszeniert. Der Weg ins menschliche Leben führt nicht über Ich wünsche Ihnen ein helles
rote Teppiche. Er schlüpft durch die Hintertür in seine Schöpfung. und frohes Weihnachtsfest!
Gott erscheint nicht als Supermann auf der großen Bühne in Rom Ihr Propst Dr. Thomas Benner,
oder Athen. Der Retter kommt als kreischender Kleine-Leute- Katholische Pfarrei Franz von Assisi
Säugling in einem Stall zur Welt und schenkt heute allen, die an r
ihn glauben, Vergebung und ewiges Leben. Wer das erfahren hat,
ist nicht traurig, sondern dankbar und kann fröhlich Weihnachten
2020 feiern!
Genau das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen
Ihr Hans Becker, Christliche Gemeinde Barsbek
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